Nostalgie

Rückblick. Eigentlich ist es noch ein paar Wochen zu früh, um ein Resümee zu ziehen, denn das mündliche Examen steht noch aus. Und gleichzeitig ist mir bei jedem Gang durch die vertraute Kleinstadt bewusster denn je, dass sich meine Studienzeit dem Ende neigt.

Und – so schön es auch war – das ist gut so.

Obwohl unser Campus nicht riesig ist, ist es faszinierend, wie ich an so manch einer Ecke nostalgisch werde. In den vorklinischen Semestern verbrachten wir im Sommer die Mittagspausen auf der Wiese vor der Mensa. Im Gebäude daneben waren immer die Chemie-Vorlesungen. In dem Café habe ich mich mit meiner Laborpartnerin auf Biochemie vorbereitet. Nach der Physikumsprüfung haben wir hier um die Ecke angestoßen, letztes Jahr nach dem schriftlichen Examen dort drüben.

Ich erinnere mich an die Energie des Neuanfangs und die Spannung und zwischendurch auch Anspannung der ersten Semester; die Aha-Momente in Vorlesungen, die Freude daran, dieses spannende Fach ergründen zu können. Aber auch an die Momente, an denen ich die familiäre Kleinstadt als erdrückend wahrgenommen habe, den Freundeskreis als beengend, die Studieninhalte mehr als riesigen Katalog, den es auswendig zu lernen galt, als als horizonterweiternde intellektuelle Herausforderung, die ich mir gewünscht hätte; als würde die Stadt mir Energie ziehen, das Studium meinen Kopf mit Inhalten zuknallen, so dass viel zu wenig Raum blieb für andere Gedanken und Ideen.

Erasmus in Paris; das war für mich vor vier Jahren auch die Chance, all dem zu entkommen und – in einer neuen und noch dazu schnellen, dynamischen, aufregenden Stadt, in der immer etwas los ist – zu fühlen, dass es mir sehr gut geht. Dass es aber durchaus auch stark auf das Umfeld ankommt, das mich darin entweder stützen kann oder mich daran hindert, mich so zu fühlen und frei zu sein.

Freiheit.

Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass es mir daran mangelte. Weder im Alltag noch in den ausgedehnten Semesterferien. Und für Freiheit im Kopf gab es zum Glück auch hin und wieder freie Kapazität. Aber letztendlich war mir die letzten fast sieben Jahre mehr oder weniger klar, dass ich einen Großteil meiner Zeit damit verbringen würde, mich geistig dem Medizinstudium zu widmen – und räumlich nicht so leicht von dieser Stadt loskommen konnte. Dazu hatte ich mich – freiwillig – commited (… und irgendwie habe ich den Eindruck, das nur der englische Begriff dieses Gefühl ausdrückt, das ich meine).

Bald ist es geschafft. Ich bin gespannt und aufgeregt, was als nächstes kommt. Erst einmal durchatmen. Dann überlegen, was sich gut anfühlt – direkt den ersten Job suchen oder vielleicht auch gar nicht sofort? Mal sehen.

Das gute am Lebe ist ja: es bleibt spannend.

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