Ein Schritt, ein Atemzug.

Fortsetzung: Wandern auf dem Fischerpfad in Portugal

Tag 3 (zweiter Wandertag)

Der Himmel ist grau. Es regnet in Strömen. Unsere Wetter-App verspricht aber Besserung am Nachmittag. Wir beschließen, unsere luxuriöse Unterkunft ausgiebig zu nutzen. Machen Yoga, frühstücken unten im gemütlichen kleinen Bistro und spielen eine Runde Backgammon. Die kleine Elektro-Heizung brauchten wir in der Nacht angesichts dicker Federbetten zwar nicht; jetzt ist sie aber sehr praktisch, als wir beim Frühstück bemerken, dass unsere Wanderschuhe etwas klamm sind. (Gestern hatte es zwischendurch auch schon etwas geregnet.)

Der Wetterfrosch hält, was er verspricht und am frühen Nachmittag können wir losziehen. Ein ganzes Stück führt der Weg anfangs an einer Schnellstraße vorbei, über eine große Brücke – nervig. Wenn neben einem Autos vorbeirasen, fühlt man sich als Wanderer ganz schön langsam. Dabei finde ich eigentlich gerade das schön am Wandern: Zu Fuß unterwegs sein und trotzdem merken, wie sich die Landschaft verändert und man so einige Kilometer an Strecke bezwingt. Kaum lassen wir die Straße endlich hinter uns, sind wir auf blühenden Feldern, die uns schnell versöhnen. Ein leerstehendes Haus ist über und über mit Graffiti-Kunst verziert; es sieht so aus, als würden hier zwischendurch ordentliche Partys stattfinden. Irgendetwas muss es ja geben für die Jugend in dieser doch sehr ländlichen Gegend.

Dann wieder an den Klippen. Die selbe Schönheit wie gestern, nur sonniger und weniger sandig. Ein Traum.

Tag 4 (dritter Wandertag)

Die Nacht in der Jugendherberge war in Ordnung. Mehr aber auch nicht: Das Gebäude sah aus, fühlte sich an, und roch, als wäre hier in den letzten 30 Jahren nicht mehr investiert worden. Vermutlich ist es auch so. Das Abendessen in der kärglich ausgestatteten Jugendherberge war zweckmäßig (Nudeln mit Tomatensoße). Angesichts der negativen Energie eines muffeligen deutschen Ehepaars, dem noch viel mehr Störendes an der Jugendherberge aufgefallen war, haben wir es uns im Gemeinschaftsraum schmecken lassen. Der – zugegebenermaßen – nicht unbedingt vor Gemütlichkeit strahlte, um es vorsichtig auszudrücken.

Die Wanderstrecke entschädigt für alles. Wieder laufen wir durch atemberaubend schöne, im Frühling erwachende und blühende Natur. Kaum jemand läuft uns über den Weg. Nur einige Fischer sehen wir immer wieder auf den Felsen direkt im Wasser und fragen uns (hoch oben auf den Klippen stehend), wie sie da wohl hingekommen sind. Aber den Einheimischen sind wohl so einige Schleichwege bekannt, die wir gar nicht erst entdecken.

Tag 4 (kein Wandertag)

Heute legen wir die Füße hoch. Ich habe meinen falschen Ehrgeiz heruntergeschluckt und genieße es nun, dass wir das wunderschöne Hostel ganz allein für uns haben: Sowohl Name (Hakuna Matata) als auch Bewertung (9,3 von 10 bei Booking.com) haben nicht zu viel versprochen. Unser Gastgeber Joao hat das ehemalige Wohnhaus seiner Großeltern äußerst liebevoll und gemütlich eingerichtet. Das ausgedehnte Frühstück auf der Dachterrasse (diesmal mit ordentlichem Meerblick; der in unserer Luxusunterkunft war mehr eine Kundenfalle und erforderte Hocker und lang gestreckten Hals) zieht sich angenehm in die Länge; denn uns treibt ja nichts. Ungewohnt und sehr angenehm, nachdem wir vier Monate lang das Examen im Nacken hatten. Ein bisschen bummeln wir durch den Ort, Zambujeira do Mar. Recht schnell haben wir uns einen Überblick verschafft. Einige Touri-Shops gibt es, mit typischen Accessoires aus Fernostasien, hier wird im Sommer wohl noch deutlich mehr los sein. Noch haben für die paar Touristen noch nicht mal alle Geschäfte und Cafés geöffnet.

Abends teilen wir uns die Küche mit einem neuen Schub an Wanderern. Und flüchten dann aber, denn ein wenig komisch fühlt es sich an, dass das Hostel, das den ganzen Tag nur für uns gebaut schien, nun gut mit anderen Gästen gefüllt ist. Da doch lieber auf die noch warmen schwarzen Felsen am Meer Chillen und Sonnenuntergang schauen. Mit dem vom Kioskbesitzer empfohlenen Wein aus der Region.

Was will man mehr? 

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