Dieser Moment, wenn…

… Eigentlich mag ich diese Sätze nicht. Dieser Moment, wenn das und das passiert und du das und das fühlst oder so ähnlich. Entweder es handelt sich dabei um ziemliche Banalitäten oder aber ich stimme innerlich eigentlich gar nicht zu. Aber die Satzkonstruktion zwingt mich fast dazu, im ersten Moment doch zu nicken.

Eigentlich. Manchmal aber sind die Erkenntnisse, die durchscheinen, irgendwie doch tröstend. Weil es anderen genauso geht, weil man nicht alleine ist mit seinen alltäglichen Ängsten, Sorgen oder Problemen, sondern wir im Endeffekt eigentlich doch irgendwie ähnlich sind. Weil wir nun mal Menschen sind.

Dieser Moment, wenn auffliegt, dass andere dich grundsätzlich als zu gut einschätzen und du dich überall nur durchschummelst obwohl du eigentlich gar nichts kannst.

Das war so ein Satz, mit dem eine Freundin von mir kurz vor dem Physikum ankam. Sie fühlte sich auf frischer Tat ertappt. Obwohl sie natürlich nie ‚aufgeflogen‘ war. Aber scheinbar eine irrationale Angst hatte, dass dies jeden Moment passieren könnte. In der Schule, jetzt im Studium – hatte sie es überhaupt verdient, gute Noten zu bekommen, Prüfungen zu bestehen? Das Gefühl, dass sie doch eigentlich gar nicht viel konnte, war wohl immer dabei.

Ich konnte mich damals nicht damit identifizieren. Irgendwie hatte ich wohl schon immer das Selbstbewusstsein, meine kleinen Erfolge auch mir selbst anzuerkennen und stolz zu sein.

Ein bisschen geht das wohl in Richtung von Seligman und der Theorie der erlernten Hilflosigkeit. (Mir hat Psychologie in der Vorklinik gefallen, weil doch einige Modelle dabei waren, die so schön treffend waren.) Wer negative Ergebnisse als intern, generell und stabil verursacht ansieht, hat ein höheres Risiko, irgendwann Depressionen zu entwickeln. Nach dem Motto: ‚Ich bin einfach unfähig, so etwas zu schaffen.‘ Wer dagegen ein Versagen als extern, variabel und spezifisch ansieht, ist psychisch grundsätzlich besser geschützt. ‚Naja, diese eine Prüfung war halt echt schwer, aber dann muss ich sie halt wiederholen und bekomme das hin.‘

Wie es wohl jetzt wird, im PJ?

Inzwischen hatte ich auch mal Momente, in denen ich mich recht unfähig fühlte. Und gleichzeitig sage ich mir, dass das normal ist und den anderen genauso geht. Nach dem Examen wirklich vorbereitet für das PJ und die Praxis? Ich weiß nicht. Andererseits: vorbereitet sein heißt ja nicht, von Anfang an alles allein zu können. Sondern in einer Position zu sein, in der man Sachen einordnen kann, und dann nicht nur imitiert, sondern mitdenkt. Und aktiv wird.

Einer unserer Dozenten hat in einer Vorlesung aus dem Nähkästchen geplaudert. Wann fällt ein Student durch das Examen? Seine Antwort war klar und eindeutig: ‚Wenn man mal nicht alle Details weiß, ist das normal. Letztendlich geht es darum, ob wir euch guten Gewissens in die Praxis entlassen können. Dafür müsst ihr natürlich viel wissen, aber dafür habt ihr ja auch schon lange studiert und seid durch zahlreiche Prüfungen gegangen. Wir stellen uns die Frage, ob ihr in der Lage seid, eure Patienten gut zu versorgen oder ob ihr eine Gefahr für sie wärt. Ganz wichtig: Demut. Im Zweifel lieber noch mal nachfragen. Nichts im Alleingang, wenn ihr euch nicht sicher seid. Ja, denn solche Studenten fallen bei mir durch, die können wir einfach nicht auf Patienten loslassen.‘

Irgendwie beruhigend. Dass wir nicht sofort auf uns gestellt sind, sondern die Medizin auch Teamarbeit ist. Und – after all – sehe ich es als absoluten Vorteil an, dass von uns erwartet wird, dass wir als Ärzte eigentlich nie aufhören zu lernen und zu wachsen.

Denn wie langweilig wäre das wohl ansonsten?

In diesem Sinne bin ich gespannt auf die nächsten Monate. Denn in zwei Tagen geht es  los: das letzte Jahr als Studentin, im Praktischen Jahr in der Inneren Medizin, Pädiatrie und Chirurgie. Wie die Zeit vergeht!

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