Der Vorname

Kinderärzte sind – genau wie Lehrer oder Kindergärtner – modetechnisch immer auf einem recht aktuellen Stand. Zumindest was Vornamen angeht. Für mich ist das ein neues Feld – und daher bin ich überrascht, schon nach knapp zwei Wochen Famulatur das Gefühl habe, gewisse Trend erkennen zu können…

Emma, Eric, Oscar und Hanno.

So etwas gab es vor 25 Jahren gefühlt deutlich seltener. Traditionelle, für lange Zeit wohl eher als altmodisch empfundene Namen haben heutzutage wieder Konjunktur.

Leni, Lena, Lilli. Liam, Luca, Leon.

L-Namen scheinen zu gefallen. Unzählige weitere Varianten habe ich in den letzten Tagen gehört, leicht gehen sie von den Lippen. Scheinbar passt das ‚L‘ gerade zum aktuellen Zeitgeist. Oder – im digitalen Zeitalter eher unwahrscheinlich – es fällt gerade vielen Menschen gleichzeitig ein, wie schön dieser Buchstabe in der lateinischen Schreibschrift geschwungen werden kann. (Zumindest war das für mich immer ein Grund, aus dem ich L-Vornamen mochte. A propos: Briefe sollte man mal wieder schreiben!)

Finn, Mads, Tjerk und Fietje. Ida, Mia, Ella.

Eventuell speziell für Norddeutschland. Und zugegebenermaßen kamen diese Namen maximal zweimal vor und gehören somit nicht zu den Dauerbrennern. Einem klaren Trend gehören sie dennoch an: dem der Bullerbü-Öko-Familie (und das meine ich keineswegs despektierlich).

Kevin, David, Joleen und Jenny.

Der Ruf eilt ihnen voraus. Und obwohl ich mich innerlich sehr dagegen sträube, von einem Vornamen auf das Kind schließen zu wollen – ein klein wenig System ist doch zu erkennen. Die sozioökonomische Schicht der Eltern, die ihre Kinder mit diesen Vornamen krönen, ist – gelinde gesagt – nicht immer die privilegierteste… Und traurigerweise ist es nicht umsonst so, dass drei der Namen zu Pflegekindern gehören, deren Eltern damit überfordert waren, sich um ihren Nachwuchs zu kümmern… (Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel!)

… sehr interessantes Thema!

Gewagte These: Geübte Kinderärzte, die den Vornamen eines Kindes plus ggf. das Alter seiner Eltern zu dessen Geburt genannt bekämen, wären in der Lage, ein grobes Profil der sozialen Verhältnisse zu zeichnen, bevor sie die Familien kennen lernen. (Hilfe, das klingt so furchtbar platt! Aber mein Gefühl sagt mir, dass es trotzdem klappen würde…) Daraus könnte man direkt ein eigenes Studiendesign entwickeln! Aber vorerst bleibt es gedanklicher Spielkram.

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5 Gedanken zu „Der Vorname

  1. Die Zeit der biblischen Vornamen ist vorbei, die neue Generation​ an Vornamen finde ich belebend, nicht nur die L…
    Allerdings muss ich immer öfter bei unserem Praxissoftwaresystem nachschauen, um welches Geschlecht es sich handelt: Da ist der Vorname oftmals nicht mehr eindeutig.
    Spannend wird die kommende Generation​: Machen sich Vornamen der Asylsuchenden bemerkbar?

    Gefällt 1 Person

    1. Dass man lieber noch mal einen Blick auf das Geschlecht wirft, bevor man das Sprechzimmer betritt, habe ich auch erlebt. Und ausländische Namen kommen garantiert hinzu – in meiner Praxis sind sie bislang aber noch kaum angekommen! Bis auf ein paar türkische, polnische und russische Kinder…

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