Von Walen und Fjorden

Und weiter geht der Roadtrip durch Kanada. Ostküste, ein kleiner Teil von Ontario und Québec. Denn obwohl wir schon ganz schön viel Zeit im Auto verbringen: auf der Landkarte sehen die Strecken, die wir zurücklegen, unbeeindrukend kurz aus. 

Tadoussac

Auf der Überquerung des Fjords mit der Fähre grinsen wir noch alle, als meine Schwester aufgeregt aufruft, irgendwohin aufs Wasser zeigt und wir angestrengt schauen, bis wir merken, dass sie spaßeshalber Fehlalarm ausgelöst hat. Spiel doch nicht mit unseren Erwartungen, Mensch! Fünf Minuten später der nächste Alarm, diesmal echt und von meiner Mutter. Die macht da auch nicht unbedingt ’nen Witz draus und wenn, merkt man es sofort. Ein Wal! Vor uns taucht einige Male eine dunkle Rückenflosse auf. Ich freue mich über meine Sonnenbrille mit polarisierten Gläsern, denn gefühlt gelingt es mir mit ihr sogar, den Schatten des mächtigen Tieres unter der Wasseroberfläche zu erahnen.

Im Wal-Museum dann einige Fakten zu den Tieren: Die Fjorde in dieser Region sind besonders tief und gerade zur aktuellen Jahreszeit kommen die Wale, um Fressen zu suchen. Geradezu ein üppig gedecktes Buffet wird ihnen hier geboten. Daher auch die Fähre über den eigentlich recht schmalen Fjord: 24/7 wird dieser Service kostenfrei angeboten, drei Fähren pendeln, tagsüber gibt es alle 20 Minuten eine Überfahrt, nachts alle 40. Denn der Bau einer Brücke übersteigt bei 100m Wassertiefe selbst das Budget der wohlhabenden Kanadier.

Wanderlust

Ich bin nicht so der Reiseführer-Fan, weiß aber, wie gut sie dafür geeignet sind, um sich im Vorhinein einer Reise zu überlegen, wo man hin will. Zu meinem Glück hat meine Schwester für diese Reise aber den Löwenanteil der Planung übernommen – und so kann ich es machen, wie ich es am liebsten mache: Bei Ankunft einmal kurz zur Touristeninfo, nachfragen, was es so gibt, und los. Auf meine Frage nach Wandermöglichkeiten hat die nette Dame am Tresen den gleichen Tipp wie der Routard-Guide: In der Jugendherberge nachfragen da gibt es einen Shuttle, so dass man eine schöne Strecke am Fjord entlang kann – und nicht hin- und zurück muss.

Wahlweise 12 oder 24km; obwohl mein Ehrgeiz kurzfristig angespornt ist, entscheiden wir uns – angesichts eines recht späten Aufbruchs um 14.30h – für die kurze Strecke. Der Shuttle entpuppt sich als Privatauto und -fahrer, der bei Bedarf seine Kunden chauffiert. Ein Service, der sich lohnt: nach einer langen Strecke entlang der Landstraße, über private Zufahrtsstraßen und Feldwege hinweg, werden wir direkt am Fernwanderweg 12km vor Tadoussac abgesetzt. Und können von dort aus durch den Wald, über Felsen, entlang von Seen und immer wieder mit einem tollen Ausblick über den Fjord per Fuß unseren Weg fortsetzen. Bzw. zurückfinden.
Wenn die 1.000 Seen ein bisschen so waren wie Schweden, dann hat Tadoussac was von Norwegen. Nur ganz so hoch sind die Berge rechts und links vom Fjord nicht und daher fehlen die zahlreichen Wasserfälle (mit Schmelzwasser von den alpinen Gipfeln), die ich in der Nähe von Bergen beim Kajakwandern mal gezählt habe. Und natürlich die Wale! (Wobei es die in Norwegen ja auch gibt.) Aber ich sehe sie hier zum ersten Mal.

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