Frankreichs berühmtester Konsumpalast

‚Les its de la saison‘. Schlussverkauf in den Galeries Lafayette. Einfach so, mitten in der Saison, bis zu 50% auf die ‚plus grandes marques‘, die ganz großen Marken. Dieses Angebot wollen sich scheinbar viele Leute nicht entgehen lassen. Bei der Taschenkontrolle sind zwei Leute vor mir, ein Mini-Stau, so etwas gibt es in Geschäften selten. Mein Blick fällt zuerst auf die direkt am Eingang platzierten Handtaschen. Eigentlich habe ich mich dafür nie interessiert. Jetzt schaue ich immerhin hin. Interessant, wie einen eine Stadt verändern kann. Die schicken Französinnen, deren Stil ich tagein tagaus anerkennend wahrnehme, haben scheinbar schon ein klein wenig auf mich abgefärbt. Ah, Chloé. Die muss ich mir mal genauer anschauen. Schließlich hat mein Mitbewohner kürzlich nächtelang Fotos von Produkten dieser Marke geschossen; wann immer ich danach einen Blick in sein Zimmer geworfen habe, hat mich eine Sonnenbrille, ein Gürtel oder ja, auch eine Handtasche von seinem großen Bildschirm aus angelacht. Mittlerweile habe ich gelernt: Zu einem großen Teil besteht die Arbeit eines Fotografen aus der nachträglichen Bildbearbeitung.

Aber nicht meine Preisklasse. Und irgendwie auch nicht mein Stil. Dankend wende ich mich von den Chloé-Auslagen und der strahlenden Verkäuferin, die direkt auf mich zugekommen ist, ab. Lasse das erste Mal den Blick etwas schweifen… Und kann kaum glauben, dass ich in Paris bin. Umgeben bin ich fast ausschließlich von Chinesen. Natürlich, eigentlich hätte ich das erahnen können. In der Nachbarstraße habe ich mich im Vorbeifahren (auf ‚meinem‘ velib, einem Pariser Stadtfahrrad) schon öfter an den Touristenbussen vorbeischlängeln müssen, die ihre asiatische Kundschaft direkt am Seiteneingang des berühmten Pariser Kaufhauses aus- und einladen. Und dass chinesische Neureiche ihr Geld gern für europäische Luxusmarken ausgeben, hat man ja auch schon mal gehört.

Die Kundinnen erscheinen mir äußerst kaufwillig. Eifrig wird geschaut, verglichen,  diskutiert, werden Taschen geöffnet, geschlossen und ‚anprobiert‘. An der Kasse von GUCCI ist sogar eine kleine Schlange entstanden. Die Galeries Lafayette haben sich auf ihre Kunden eingestellt: fast jeder zweite Verkäufer ist ebenfalls Chinese, besser gesagt Chinesin; klar, so läuft die Beratung und das Verkaufsgespräch besser. Ich schlendere unter die zentrale Kuppel mit den prächtigen Galerien, die dem Kaufhaus ihren Namen verliehen haben; im Hintergrund läuft Justin Biebers ‚Sorry‘. Globalisierung und Kapitalismus vom Feinsten.

Mir reicht es erstmal. Auch das schönste Kaufhaus ist letztendlich doch genau das, ein Kaufhaus, und von denen habe ich fast immer nach spätestens einer halben Stunde genug. Im Hinausgehen bemerke ich einige Herren. Ihre nicht unbedingt modisch sondern eher praktisch anmutenden Jacken über den Arm geklemmt stehen sie geduldig am Rand des Ganges und warten darauf, dass ihre Frauen fertig sind mit Shoppen. Ein älterer Herr hat sich auf den weit und breit einzigen Hocker gesetzt, stützt sich auf seine Knie und knetet auf seinem beigefarbenen Cappy herum. Eine Rollenverteilung, die mir sehr bekannt vorkommt. Liegt das nun auch an der Globalisierung oder gibt es einige Verhaltensweisen, die Männer und Frauen nun mal kennzeichnen, unabhängig vom kulturellen Hintergrund? Wie dem auch sei. Ab an die frische Luft!*

*bzw. in den Pariser Stadt-Smog…

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